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Flopsy und der Schlüssel

Es war ein so schöner Frühlingstag, wie man ihn sich nur vorstellen konnte. Flopsy, so hieß der Hase, von dem ich dir heute erzählen möchte, war sehr aufgeregt. Am Morgen hatte Flopsy nämlich die grandiose Idee, einen Ausflug zu machen. Das war eine große Sache, denn Flopsy war sonst eher der Langweiler, der sich im Bett ganz wohl fühlte. Heute jedoch hatte ihn die Abenteuerlust gepackt.

Bei der Geschichte, die ich dir jetzt erzählen möchte, musst du genau zuhören. Denn Flopsy sollte seine Entscheidung, Abenteuer zu wagen, keinesfalls bereuen!

Flopsy hüpfte aus dem Haus – nicht vor Aufregung, sondern weil sich Hasen wie Flopsy nun einmal so hüpfend fortbewegen. Und er staunte auch nicht schlecht, als er im Wald viele bunte Luftballons auf und ab schweben sah. Er hatte diese Luftballons noch nie gesehen, obwohl er gestern sogar kurz im Garten war, um an ein paar Möhren zu knabbern. Den restlichen Tag hatte Flopsy im Bett verbracht.

Er verliebte sich sofort in die Luftballons. Einer kam dem Flopsy eigenartig vor, denn er hing tiefer als alle anderen, und an ihm war etwas Goldenes befestigt. Er hätte ja niemals damit gerechnet, dass es sich hierbei um einen Schlüssel handelt. Denn erstens: Wer sollte die Luftballons ausgerechnet im Wald vor seinem Haus positioniert haben? Und zweitens: Für einen Schlüssel war das kein besonders gutes Versteck. Ein wenig mulmig war dem Flopsy schon, als er nach dem Schlüssel griff. Er erwartete nicht, dass er bei Berührung einen Stromstoß bekommen würde, aber mit einen kleinen Gedankenblitz rechnete er schon. Der Schlüssel fühlte sich kühl an, doch Flopsy dachte sich nichts dabei. Er schaute ihn nur kurz an und steckte ihn dann ein. Flopsy wollte nämlich gerade nicht über den Schlüssel nachdenken – ja, sogar dafür war Flopsy zu bequem.

In Wirklichkeit dachte er schon wieder über seinen Vormittagsschlaf nach. Das Haus war aber ganz weit weg, mindestens – sagen wir – eine ganze Anzahl an Hopsern weit. Und deshalb hat sich der Flopsy einfach zwischen den Luftballons ins Gras gelegt.

Dieser wunderschöne Frühlingstag war natürlich perfekt geeignet, um tief und fest zu schlafen und herrlich zu träumen. Und so träumte der Flopsy von seinem Schlüssel und dass er an einem Felsen ein Schloss gefunden hatte, dessen Schlüssel perfekt passte. Plötzlich öffnete sich eine Tür, und dahinter – siehe da – breitete sich ein regelrechtes Schlaraffenland vor Flopsy aus. Es war ein riesiger Garten voller Karotten und anderer Leckereien, es war der Himmel auf Erden. Als Flopsy aufwachte, hüpfte er vor Freude auf und ab. Nun, in Wirklichkeit hoppelte Flopsy auf und ab, aber ihm kam es so vor, und von Müdigkeit war natürlich keine Spur mehr.

Doch dann wunderte sich Flopsy doch schon sehr, als er in eine saftige Karotte biss, und diese nach Gras schmeckte. Natürlich konnte der Flopsy im Traum nichts schmecken. Und in Wirklichkeit hat der Flopsy in ein Büschel Gras reingebissen. Weil es war ja keine Karotte da, in Wirklichkeit. Das war dann auch die Zeit zum Aufwachen.

Der Flopsy war jetzt ausgeruht und hatte einen absolut kühlen Kopf. Der Traum war zwar nur ein Traum, aber der Schlüssel in seiner Tasche war echt. Er blickte um sich und entdeckte hinter den Baumwipfeln die große Bergspitze, die er auch von seinem Zimmer aus beobachten konnte. Im Winter lag dort immer viel Schnee, im Sommer nicht. Er hoppelte los in Richtung des Berges, denn er wusste, dass dort, wo Berge beginnen, auch viele Felsen und vielleicht eine geheime Tür zu finden waren. Und tatsächlich, er fand die Tür auf Anhieb und der Schlüssel passte.

Was Flopsy dort sah, kannst du dir nicht ausdenken: Ein wunderschöner Garten voller Früchte, Möhrenbeete, saftigen Wiesen und lustiger Verstecke. In seiner Aufregung begann er zu zittern. Seine Augen, Ohren und schließlich seine Nasenspitze vibrierten. Er stellte sogar einen Hoppelrekord auf, und er hoppelte so schnell auf und ab, dass ihm alles verschwommen vorkam.

Doch als Flopsy in den Garten wollte, passierte etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Er konnte den Garten nicht behoppeln. Etwas schien ihn daran zu hindern, eine unsichtbare Kraft. Doch anstatt es erneut zu versuchen, verlor Flopsy sofort den Mut. Er setzte sich hin und war ganz traurig. Und diese Traurigkeit machte ihn wieder sehr müde.

Da erschien plötzlich ein kleiner Fuchs hinter ihm. Diesen Fuchs nannten alle Fuxi, und er war wirklich clever und flink. Er hatte stets ein wachsames Auge und alle Tiere des Waldes hatten großen Respekt vor ihm. Fuxi erblickte Flopsy und klopfte ihm freundlich auf die Schulter.

“Flopsy, ich sehe, du hast den Schlüssel gefunden.” Flopsy war ziemlich irritiert. Woher wusste Fuxi von dem Schlüssel? Ach ja, Fuxi war sehr gescheit. Da war es kein Wunder. “Ja”, sagte Flopsy. “Aber ich schaffe es nicht, in den schönen Garten zu kommen. Ich glaube, der Schlüssel ist nicht für mich gemacht.”

“Aber Flopsy”, sagte Fuxi. “Der Schlüssel ist für dich gemacht. Du musst dich nur ganz fest anstrengen. Du musst es immer und immer wieder versuchen, in den Garten zu kommen. Du darfst nicht aufgeben, Flopsy.”

Und schon war der Fuxi wieder weg. Flopsy wollte noch etwas sagen. Er wollte Fuxi fragen, ob er auch Hunger hatte. Aber Fuxi war weg. Das fand Flopsy sehr schade. Als Flopsy vor lauter Traurigkeit wieder ins Land der Träume fand, war er dort drin nicht mehr müde. Es war ja nur ein Traum. Und im Traum, da sprang er mit aller Kraft in den Garten, und siehe da, es gelang ihm.

Aus der Ferne erblickte er wieder den Fuxi – also den Traum-Fuxi. Und der Fuxi rief zu Flopsy: “Siehst du, du musst dich eben anstrengen und darfst nicht aufgeben. Und du musst Mut haben!”

Und puff – schon war Flopsy wieder wach. Jetzt war Flopsy ganz extrem motiviert. Er wollte es ausprobieren und sprang mit aller Kraft in Richtung des magischen Gartens. Plumps. Er hatte es nicht geschafft. Er probierte es noch einmal. Wieder Plumps. Flopsy nahm seine ganze Kraft zusammen und – ZACK. Flopsy war im Garten. Er konnte es nicht glauben.

In Hoppel-Rekord-Tempo eilte er in Richtung seiner geliebten Karotten. Er kostete davon – und es war herrlich. Das waren die besten Karotten, die Flopsy jemals gegessen hatte.

Als er ganz satt war und in der Wiese saß, da ereilte ihn ein wichtiger Gedanke: Würde er ein bisschen weniger in seinem Bett liegen und ein bisschen mehr interessiert sein an der Welt, dann würde er vielleicht viele weitere Abenteuer erleben?

Naja, wer weiß. Schaden konnte es ja nicht.

Und ganz leise, da schlich der Fuxi draußen am Felsentor vorbei. Und er sah zum Flopsy und zwinkerte ihm zu. Und der Flopsy zwinkerte zurück.

Er fühlte sich jetzt ganz stark. Und ganz mutig. Wie ein richtiger Abenteurer.

Ende

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